Erste Hilfe zu Hause: Was tun, wenn ein Senior stürzt?

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Es genügt ein kurzer Moment. Die betreute Person steht aus dem Sessel auf, möchte nach der Brille greifen, ins Badezimmer gehen oder sich am Bett umdrehen. Plötzlich verliert sie das Gleichgewicht und sinkt zu Boden.

Der erste Impuls einer Alltagsbegleiterin oder eines Alltagsbegleiters ist meist ganz natürlich: dem Senior so schnell wie möglich beim Aufstehen zu helfen. Es ist jedoch wichtig, daran zu denken, dass nach einem Sturz vor allem die richtige, ruhige Reihenfolge zählt: Zuerst prüfen wir, was passiert ist, und erst danach entscheiden wir, ob wir der betreuten Person sicher dabei helfen können, ihre Position zu verändern.

Ein Sturz bei Senior:innen bedeutet nicht immer eine schwere Verletzung. Bei älteren Menschen ist jedoch besondere Aufmerksamkeit erforderlich, da Hüftschmerzen, Schwindel, Schwäche oder Bewegungseinschränkungen auch erst einige Zeit später auftreten können. Eine gut geleistete Erste Hilfe für Senior:innen zu Hause besteht deshalb vor allem darin, die Situation ruhig einzuschätzen, bei Bedarf Unterstützung zu rufen und der Familie, dem Arzt, dem Rettungsdienst oder anderen an der Betreuung beteiligten Personen konkrete Informationen weiterzugeben.

Gesundheitszustand nach einem Sturz einschätzen – wann sollte man den Notruf wählen?

In den ersten Minuten nach einem Sturz sind ein ruhiger Tonfall und klare Worte besonders wichtig, denn der Senior kann aufgewühlt, beschämt oder unsicher darüber sein, was gerade passiert ist. Gehen Sie zur betreuten Person und sagen Sie zum Beispiel: „Ich bin bei Ihnen. Bitte bewegen Sie sich einen Moment nicht. Wir prüfen ganz in Ruhe, ob alles in Ordnung ist.“

Fragen Sie anschließend, ob etwas weh tut, ob die Person sich am Kopf gestoßen hat und ob sie sich an den Moment des Sturzes erinnern kann. Prüfen Sie außerdem, ob die betreute Person bei Bewusstsein ist, frei atmet, auf Fragen antwortet und ob sich Schmerzen bei Bewegung verstärken. Wenn die Situation beunruhigend wirkt oder Sie unsicher sind, ob Sie dem Senior sicher beim Aufstehen helfen können, ist es besser, Hilfe zu rufen, als überstürzt zu handeln.

Wählen Sie den Notruf 112, wenn die betreute Person:

  • das Bewusstsein verloren hat oder nicht reagiert,
  • Schwierigkeiten beim Atmen hat,
  • sich am Kopf gestoßen hat,
  • über starke Schmerzen in Hüfte, Leiste, Rücken, Brustkorb, Arm oder Bein klagt,
  • nicht auf dem Bein stehen oder eine Gliedmaße nicht bewegen kann,
  • eine Wunde hat, die schnell versorgt werden muss,
  • auffallend schläfrig oder verwirrt ist oder sich anders verhält als gewöhnlich,
  • nach einem Schwächeanfall gestürzt ist,
  • Sprachstörungen, einen herabhängenden Mundwinkel oder eine plötzliche Schwäche auf einer Körperseite zeigt.

Bis Hilfe eintrifft, sorgen Sie für den Komfort der betreuten Person: Lagern Sie sie möglichst bequem, decken Sie sie zu, wenn ihr kalt ist, und bleiben Sie bei ihr. Wenn Sie eine ernstere Verletzung vermuten, insbesondere bei Hüftschmerzen, nach einem Schlag auf den Kopf oder einem Schwächeanfall, geben Sie bis zur Einschätzung durch Fachkräfte möglichst nichts zu essen oder zu trinken, da in manchen Situationen eine weitere Behandlung im Krankenhaus erforderlich sein kann.

Was kann die Alltagsbegleitung überprüfen?

 

Eine Alltagsbegleiterin oder ein Alltagsbegleiter stellt keine Diagnose. Sie oder er kann jedoch Informationen sammeln, die für die Familie, den Arzt oder den Rettungsdienst sehr hilfreich sind. Es lohnt sich, in Ruhe festzustellen, was passiert ist, wo die betreute Person Schmerzen verspürt und ob sich ihr Befinden in den folgenden Minuten verändert.

Hilfreich sind einfache Fragen wie: „Haben Sie sich am Kopf gestoßen?“, „Erinnern Sie sich an den Moment des Sturzes?“, „Wo genau tut es weh?“, „Können Sie Ihre Füße und Hände bewegen?“ Achten Sie außerdem auf Schwellungen, Blutergüsse, Wunden, eine ungewöhnliche Stellung einer Gliedmaße, Übelkeit, Schwindel oder zunehmende Schläfrigkeit.

Es ist sinnvoll, die wichtigsten Informationen direkt nach dem Ereignis zu notieren oder sich einzuprägen, da Details später leicht vergessen werden können. Eine beispielhafte Notiz könnte lauten: „Die betreute Person ist gegen 8:30 Uhr am Bett gestolpert. Sie gibt an, sich nicht am Kopf gestoßen zu haben, klagt jedoch über Schmerzen in der linken Hüfte. Wir haben nicht versucht, sie aufzurichten.“

Verdeckte Verletzungen – Schenkelhalsbruch

Nach einem Sturz ist nicht immer sofort erkennbar, ob eine Verletzung vorliegt. Ein Senior kann zunächst sagen, dass es ihm gut geht, und erst später Schmerzen, Schwäche oder Schwierigkeiten beim Gehen bemerken. Deshalb ist es wichtig, auch dann aufmerksam zu bleiben, wenn der erste Eindruck beruhigend wirkt.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Schmerzen in der Hüfte oder Leiste. Bei älteren Menschen kann es nach einem Sturz zu einem Schenkelhalsbruch kommen – einer Verletzung, die häufig eine schnelle medizinische Abklärung erfordert, auch wenn sie zunächst nicht eindeutig erkennbar ist.

Besonders aufmerksam sollten Sie werden bei:

  • Schmerzen in Hüfte, Leiste oder Oberschenkel,
  • Schwierigkeiten, das Bein zu bewegen,
  • der Unfähigkeit, auf dem Bein zu stehen,
  • dem Eindruck, dass ein Bein kürzer ist,
  • einer ungewöhnlichen Stellung des Beins, zum Beispiel wenn der Fuß deutlich nach außen gedreht ist,
  • deutlichem Unwohlsein beim Versuch, die Position zu verändern,
  • Zurückhaltung der betreuten Person beim Hinsetzen, Aufstehen oder Gehen.

Wenn nach einem Sturz Hüftschmerzen auftreten oder die betreute Person das Bein nicht belasten kann, sollte am besten Hilfe gerufen und die Einschätzung durch Fachkräfte abgewartet werden.

Auch ein Schlag auf den Kopf erfordert besondere Aufmerksamkeit. Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sprachprobleme, Schwäche, Verwirrtheit oder ein Verhalten, das anders ist als gewöhnlich, sind Warnzeichen, die nicht „auf später“ verschoben werden sollten.

Verletzungen bei älteren Menschen können weniger eindeutige Symptome zeigen als bei jüngeren Personen. Deshalb ist nach einem Sturz nicht nur wichtig, wie sich die betreute Person unmittelbar danach fühlt, sondern auch, wie sich ihr Zustand in den folgenden Stunden entwickelt.

Sicheres Aufstehen vom Boden – wann kann man helfen?

Ein sicheres Aufstehen vom Boden ist nur dann möglich, wenn die betreute Person bei Bewusstsein ist, frei atmet, keine starken Schmerzen angibt, sich nicht am Kopf gestoßen hat, keine sichtbare Verletzung vorliegt, kein Schwindel besteht und sie sich kräftig genug fühlt, um eine Positionsveränderung zu versuchen.

Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie den Senior besser nicht allein aufrichten. Eine Alltagsbegleiterin oder ein Alltagsbegleiter sollte die betreute Person nicht mit erheblichem Kraftaufwand hochheben oder an den Armen hochziehen, da dies sowohl die betreuende Person überlasten als auch die Beschwerden des Seniors verstärken kann. Deutlich sicherer sind eine ruhige Anleitung, Absicherung und eine stabile Stützmöglichkeit.

Wenn die betreute Person versuchen kann aufzustehen, geben Sie ihr zunächst einen Moment Zeit, um ruhig zu atmen. Stellen Sie einen stabilen Stuhl oder Sessel bereit und entfernen Sie Gegenstände aus der Umgebung, die im Weg sein könnten. Der Senior kann sich langsam auf die Seite drehen, anschließend – wenn es möglich ist – in den Vierfüßlerstand gehen, die Hände auf einen stabilen Stuhl stützen und sich schrittweise in eine sitzende Position bewegen.

Sprechen Sie während des gesamten Vorgangs ruhig: „Wir haben keine Eile“, „Wir machen das Schritt für Schritt“, „Bitte sagen Sie mir, wenn etwas weh tut.“ Treten Schmerzen, Schwindel oder Schwäche auf oder hat die betreute Person nicht genügend Kraft, um fortzufahren, brechen Sie den Versuch ab und rufen Sie Hilfe.

Was sollte man nach einem Sturz nicht tun?

Nach einem Sturz sollte man vor allem Hektik vermeiden. Die betreute Person sollte nicht sofort aufgerichtet, an den Armen hochgezogen, hingesetzt oder auf die Beine gestellt werden, wenn sie über Schmerzen klagt. Auch die schmerzende Stelle sollte nicht massiert werden.

Ebenso sollten ohne vorherige Absprache keine Schmerzmittel gegeben, Hinweise auf einen Schlag gegen den Kopf nicht übergangen und der Senior nicht allein gelassen werden, wenn er geschwächt, schläfrig oder desorientiert ist. Bei Verdacht auf eine ernstere Verletzung sollte außerdem bis zum Kontakt mit medizinischer Hilfe möglichst auf Essen und Trinken verzichtet werden.

Angst vor einem weiteren Sturz – wie lässt sie sich überwinden?

Nach einem Sturz kann sich ein Senior eine Zeit lang weniger sicher fühlen. Selbst wenn keine schwere Verletzung entstanden ist, kann die Angst vor einem erneuten Stolpern, einem weiteren Gleichgewichtsverlust oder einer Situation bleiben, in der erneut Hilfe benötigt wird. Das ist eine verständliche Reaktion, besonders wenn der Sturz für die betreute Person ein belastendes Erlebnis war.

Bei manchen älteren Menschen hält diese Vorsicht länger an und beginnt, den Alltag zu beeinflussen. Der Senior bewegt sich möglicherweise weniger, steht seltener aus dem Sessel auf, vermeidet den Weg ins Badezimmer, verzichtet auf Spaziergänge oder bittet häufiger um Hilfe bei Tätigkeiten, die er zuvor selbstständig ausgeführt hat. Dieser Zustand wird als Post-Fall-Syndrom bezeichnet – eine Reaktion, bei der die Angst vor einem erneuten Sturz dazu führt, dass die betreute Person dem eigenen Körper weniger vertraut und sich vorsichtiger bewegt.

Das Post-Fall-Syndrom ist nicht immer eine unmittelbare Folge der Verletzung selbst. Manchmal hat sich der Körper bereits erholt, doch im Gedächtnis des Seniors bleiben das Erlebnis des Gleichgewichtsverlusts, die Überraschung und das Gefühl, auf die Hilfe eines anderen Menschen angewiesen gewesen zu sein. Die betreute Person kann dann sagen: „Ich schaffe das nicht“, „Ich habe Angst“, „Ich bleibe lieber hier“ oder „Bitte begleiten Sie mich“, selbst wenn sie sich zuvor sicherer bewegt hat.

Solche Reaktionen sollten aufmerksam wahrgenommen werden, denn weniger Bewegung kann nach und nach die Muskulatur schwächen, die Sicherheit beim Gehen verringern und das Vertrauen der betreuten Person in den eigenen Körper weiter reduzieren. Je weniger sich ein Senior bewegt, desto schwieriger kann es werden, zu früheren Aktivitäten zurückzukehren. Deshalb ist es wichtig, ihn ruhig und in kleinen, sicheren Schritten zu unterstützen.

Nicht immer helfen Worte wie: „Sie brauchen keine Angst zu haben.“ Für die betreute Person ist diese Sorge real. Besser ist es, sie wahrzunehmen und ruhig anzusprechen: „Ich verstehe, dass Sie sich jetzt vielleicht weniger sicher fühlen. Ich bleibe bei Ihnen, wir gehen ganz langsam.“ Eine solche Aussage vermittelt Unterstützung, ohne Druck aufzubauen, sofort wieder zur früheren Aktivität zurückkehren zu müssen.

Beim Überwinden der Angst helfen kleine Schritte: ruhig auf der Bettkante sitzen, kurz an einer stabilen Stütze stehen, einige Schritte mit Absicherung gehen und erst später einen längeren Weg durch das Zimmer oder den Flur zurücklegen. Wichtig ist, das Tempo an das Befinden der betreuten Person anzupassen und dafür zu sorgen, dass jeder weitere Schritt ihr das Gefühl vermittelt, sich sicher und kontrolliert zu bewegen.

Es lohnt sich außerdem, die Umgebung zu überprüfen. Ursache eines Sturzes kann ein hochstehender Teppichrand, ein rutschiger Boden, ein Kabel, ein falsch eingestellter Rollator oder fehlendes Licht in der Nacht sein. Kleine Veränderungen wie eine bessere Beleuchtung, stabiles Schuhwerk, das Entfernen von Hindernissen aus Laufwegen oder eine rutschfeste Matte im Badezimmer können das Sicherheitsgefühl der betreuten Person erhöhen und ihr die ruhige Rückkehr zu alltäglichen Tätigkeiten erleichtern.

Was sollte man nach einem Sturz notieren?

Eine kurze Notiz nach einem Sturz kann der Familie, dem Arzt, dem Rettungsdienst oder anderen an der Betreuung beteiligten Personen sehr helfen. Notieren Sie möglichst Datum und Uhrzeit des Ereignisses, den Ort des Sturzes, was die betreute Person unmittelbar davor getan hat, ob sie sich am Kopf gestoßen hat, worüber sie geklagt hat und ob Blutergüsse, Schwellungen oder Wunden sichtbar sind.

Außerdem sollte festgehalten werden, ob die betreute Person sicher aufstehen konnte und wie sie sich später fühlte. Auch wenn die Situation zunächst unauffällig erscheint, sollte die Familie oder die für die weitere Betreuung verantwortliche Person über den Sturz informiert werden, da bei älteren Menschen manche Beschwerden erst zeitversetzt auftreten können.

Nach einem Sturz kommt es vor allem auf eine ruhige Reihenfolge an: zuerst die Situation einschätzen, dann entscheiden, ob Hilfe benötigt wird, und erst am Ende gegebenenfalls beim Aufstehen unterstützen.

Es ist wichtig zu bedenken, dass Verletzungen bei älteren Menschen, darunter auch ein Schenkelhalsbruch, nicht immer sofort sichtbar sind. Deshalb sind die Beobachtung nach einem Sturz, das Festhalten der wichtigsten Informationen und eine sichere Umgebung so wichtig.

Durch eine aufmerksame Reaktion kann eine Alltagsbegleiterin oder ein Alltagsbegleiter der betreuten Person helfen, zunächst wieder Ruhe zu finden und anschließend Schritt für Schritt mehr Sicherheit bei alltäglichen Bewegungen zurückzugewinnen.